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Gesellschaftliche Konventionen oder warum ich keinen BH mehr trage

Hast du dich schon einmal gefragt, warum wir beim Zusammentreffen mit einem Bekannten immer eine Runde Smalltalk halten? Und mit Bekannter meine ich wirklich jemanden, den man nur flüchtig kennt und sonst keinerlei privaten Kontakt pflegt. Meist unterhält man sich einige Minuten über oberflächliche, belanglose Dinge, ehe sich die Wege wieder trennen. Warum tun wir das? Warum reicht nicht ein kurzer Gruß? Es gibt keinerlei Gesetze, die uns zum Smalltalk verpflichten. Trotzdem empfinden wir diese Pflicht und der Grund ist, dass es sich hierbei um eine gesellschaftliche Konvention handelt. Wir handeln nach einem „ungeschriebenen Gesetz“. Wer sich daran nicht hält, wird direkt schief angeguckt und darf sich Getuschel anhören. Die Gesellschaft würde nur einen kurzen Gruß, als sehr unhöflich empfinden.

Smalltalk als Konvention der Gesellschaft
Smalltalk auf der Straße wird als höflich und angemessen angesehen

Glück als Teil der Persönlichkeitsentwicklung

Glück und Zufriedenheit ist etwas sehr individuelles und hängt stark mit dem eigenen Charakter zusammen. Das Thema Persönlichkeitsentwicklung spielt hier eine zentrale Rolle. Wir müssen im Leben schauen, was uns wichtig ist, was wir erreichen möchten und im Gegenzug darauf achten, was von uns erwartet wird und wie wir uns in die gesellschaftlichen Normen einzufügen haben. Es ist eine Gratwanderung zwischen Orientierung und Zugehörigkeit in der Gesellschaft und die Chance auf das persönliche Glück.

Was sind gesellschaftliche Konventionen?

Gesellschaftliche Konventionen sind im Grunde nichts anderes als erwartete Verhaltensweisen von der Gesellschaft. Es sind soziale Normen und sie definieren, wie wir uns in sozialen Situationen zu verhalten haben. Konventionen sind unter Anderem auch Bestandteil der Kultur einer Gesellschaft, weil es eben etwas ist, was von den Menschen erwartet wird. Positiv ist jedoch, dass sich Konventionen im Laufe der Zeit ändern können. Sie sind nicht statisch, sondern sind durchaus in der Lage sich zu wandeln und weiterzuentwickeln.

Wie werden Konventionen ein Teil von uns?

Da stellt sich natürlich die Frage, wie wir überhaupt gesellschaftliche Konventionen erlernen. Das tun wir schon ziemlich früh, nämlich bereits im Kindesalter. Als Kind wird man in der Regel sehr stark von seinem Umfeld geprägt und übernimmt in dieser Zeit viele Werte und Zeitbilder. Das Ziel ist, ein vollwertiges und akzeptiertes Mitglied in der Gesellschaft zu werden. Der Mensch ist bekanntermaßen ein soziales Wesen, bzw. ein Herdentier, und möchte Teil einer Gruppe sein. Dadurch orientieren wir uns daran, was die Normen uns vorgeben, um nicht verstoßen zu werden.

Die Problematik der Wertekonflikte

Per se müssen gesellschaftlichen Konventionen auch nicht schlecht sein. Diese nehmen uns nämlich einige Entscheidungen im Alltag ab. Wir müssen nicht mehr in jeder Situation selber entscheiden, welches Verhalten richtig oder falsch ist. Allerdings führt das wiederum dazu, dass wir wie ein Autopilot funktionieren. Wir hinterfragen überhaupt nicht und handeln nur nach den Normen. Häufig endet das in dem berühmten Hamsterrad, was in Unglücklich sein, Depressionen oder noch schlimmeren Problemen endet. Diese Probleme entstehend dabei häufig durch einen Wertekonflikt. Jeder Mensch trägt unzählige Werte in sich; die Gewichtung variiert allerdings.

Persönliche Wertschätzung vs. wirtschaftlicher Profit

Wenn dir beispielsweise die Wertschätzung deiner Person sehr wichtig ist, du aber in einem Unternehmen arbeitest, wo der Fokus auf Profit liegt, wirst du mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit unglücklich werden. Konventionen können also auch gefährlich werden, wenn wir komplett im Einklang mit ihnen leben, ohne darüber nachzudenken. In der heutigen Zeit streben wir Menschen so sehr nach Sicherheit, dass unsere Persönlichkeitsentwicklung auf der Strecke bleibt.

Beispiele für Konventionen

Das Aufbrechen, Auflockern oder überhaupt in Frage stellen von Konventionen wird immer schon als super problematisch in der Gesellschaft angesehen. Nichtsdestotrotz habe ich im Folgenden ein paar Beispiele herausgesucht und dann schauen wir doch mal, wie offen oder konventionell du tickst.

Die Braut trägt zur Hochzeit die Farbe weiß

Beginnen wir mit einer Konvention, die sich glücklicherweise etwas gewandelt hat: Bei der Hochzeit trägt die Braut ein weißes Kleid. Und der Bräutigam eher dunkle Farben, meistens schwarz. Gönnen wir uns mal eine Minute und stellen uns folgendes vor: Der Bräutigam steht sehnsüchtig wartend am Altar und fiebert dem Eintreffen der Braut entgegen. Er selber trägt einen roten Anzug. Endlich betritt die Braut die Kirche in einem wunderschönen Brautkleid, in der Farbe grün. Sind wir ehrlich, die Reaktion der beiden kann noch so ergreifend sein. Allein ihre Kleiderwahl führt zu Getuschel. Man hört Dinge wie: „Das kann man doch nicht machen“. Ganz ehrlich, es ist einfach Blödsinn. Im Grunde sollte jedes Brautpaar das tragen, worin es sich am wohlsten fühlt.

Ein weißes Hochzeitskleid als gesellschaftliche Norm
Auch ich habe bei meiner Hochzeit ein weißes Kleid angehabt und damit komplett der Norm entsprochen. Rückblickend würde ich das vermutlich auch anders machen.

Mit ruhigen Menschen stimmt was nicht

Ich bin ein sehr ruhiger und introvertierter Mensch. Häufig erlebe ich es, dass Menschen wahnsinnig überrascht sind, wenn sie mich besser kennenlernen. Dann kommen so Sachen wie: „Du kannst ja auch mal laut werden“ oder „Du kannst ja richtig witzig sein“. Ja .. Überraschung! Viele Menschen denken hinter ruhigen Menschen stecken große Probleme. Irgendwas Zuhause stimmt nicht. Vielleicht mit den Eltern oder dem Partner. Oder derjenige hat psychologische Probleme. Was viele Menschen jedoch vergessen, ist, dass ruhige Menschen einfach anders funktionieren. Wenn ich meine Batterien aufladen muss, dann gönne ich mir Zeit alleine. Ich lese, male oder höre Musik. Kevin beispielsweise lädt seine Batterien eher auf, wenn wir mit Familie und Freunden unterwegs sind. So unterschiedlich können Menschen ticken.

Maximalismus, immer höher, schneller, weiter

Wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit. Was gestern „in“ war, ist morgen schon überholt. Uns wird eingeredet, dass wir immer mehr brauchen und mehr haben wollen. Akzeptieren ist gleichzusetzen mit Stillstand. Dahinter verbirgt sich das Phänomen des „Herdendrangs“. Du sieht beim Nachbarn das neue Auto und beginnst zu überlegen, wann es eigentlich bei dir Zeit wird für ein neues Auto ist. Ständig vergleichen wir uns mit unserer Umwelt und verfolgen schlicht und einfach die falschen Träume, nämlich die von anderen, die zu uns gar nicht passen. Wenn du dich allerdings in der heutigen Zeit traust zu sagen, dass du mit deinem aktuellen Lebensstandard zufrieden bist, wirst du direkt kritisch beäugt. Wer sich mit etwas zufrieden gibt, ist sofort unkonventionell.

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Konsum und Materialismus als Konvention
Materialismus und die Konsumgesellschaft

Wir leben für die Arbeit

Gerade in den gut entwickelten Ländern ist diese Konvention fast genauso besiegelt wie ein offizielles Gesetz. Und sie hängt sehr stark mit dem Phänomen Maximalismus zusammen. Wir dürfen nicht mit etwas zufrieden sein, sondern müssen immer nach mehr streben. Um uns das immerzu leisten zu können, sind wir gezwungen fleißig zu arbeiten und Geld zu verdienen.

Wie viele Menschen machen Jobs, nur weil sie glauben, sie machen zu müssen?

Wenn man mit verschiedenen Menschen spricht, merkt man aber schnell, dass viele unzufrieden mit ihrer Jobsituation sind. Wie viele Menschen machen Jobs, nur weil sie glauben, sie machen zu müssen? Dabei steht es jedem von uns frei, sich entweder einen Job zu suchen, der einem Spaß macht und einen Sinn gibt oder andererseits sein eigenes Business zu gründen. Eine weitere Möglichkeit ist es, dem Konzept der Arbeit komplett den Rücken zu kehren und ohne Geld zu leben. Dafür erntet man aber natürlich auch wieder kritische Blicke der Gesellschaft. Dabei gibt es aktuell immer mehr Menschen, sogenannte Aussteiger, die sich aus dieser Konvention befreien und für das leben, was sie glücklich macht. Und eben nicht nur für die Arbeit.

Buchtipp: Das Robbins Power Prinzip von Anthony Robbins

Sexualisierung in der Gesellschaft

Sexualisierung ist in unserer Gesellschaft ein Riesenthema. Generell Brüste, aber auch so Dinge wie Nippelgate oder Stillen in der Öffentlichkeit. Das sind alles so „Oh mein Gott“-Themen, wo Leute sagen: „Wie kann sie nur keinen BH tragen?“ oder „Das Kind in der Öffentlichkeit stillen geht gar nicht“.

Wir leben leider in einer Gesellschaft, wo Brüste stark sexualisiert werden und es früh als cool gilt einen BH zu tragen. Wann genau ich meinen ersten BH bekommen habe, weiß ich leider nicht mehr. Aber ich erinnere mich, wie „cool“ ich mir vorkam und dann ganz schnell die Phase kam, wo ich nur noch Push-up BHs gekauft habe. Und jetzt mal Realtalk unter Frauen: Bequem sind die Dinger nicht! Wir wollen nur sexy aussehen.

Konventionen im Bereich der Sexualisierung
BHs vermitteln eine vermeintlich „perfekte Brustform“

BHs tragen

Mittlerweile trage ich nur noch selten einen BH. Warum? Weil’s bequemer ist – so einfach ist das! Anfangs war das natürlich komisch, weil die Brüste dann so bouncen und andererseits dachte ich immer, dass alle Leute nur auf meine Brüste schauen. Wir alle kennen das – im Endeffekt interessiert es keinen. Zudem finde ich an BHs super schade, dass sie eine Art „perfekte Brustform“ vermitteln. Jede Frau hat andere Brüste und das ist auch gut so. Aber durch dieses Idealbild verlieren Frauen häufig an Selbstwertgefühl, was einfach nicht sein müsste. Wenn ich heutzutage mal einen BH trage, dann immer nur, weil ich das selber möchte. Mir ist es wichtig, diese Entscheidung komplett für mich zu treffen ohne den Zwang der gesellschaftlichen Norm.

Fazit

Diese Beispiele zeigen, dass es Konventionen in allen Lebensbereichen gibt. Wir können uns nicht komplett von ihnen lösen und das wäre auch nicht sinnvoll. Trotzdem ist es durchaus legitim, die Konventionen zu hinterfragen und nur die zu behalten, die uns logisch erscheinen. Diese Message möchte ich dir gerne weitergeben: Gestalte dein Leben so wie du selber glücklich bist. Wenn du dich mit einer Norm gut fühlst, super! Wenn sie dein Glück in irgendeiner Form einschränkt, sei mutig und breche die Norm. Die Hauptsache ist, dass du alles, was du tust, nur dann tust, wann du es selber willst. Und niemals um einer gesellschaftlichen Konvention zu entsprechen.

Wie sind deine Gedanken zu dem Thema Konventionen und Normen? Hast du jemals drüber nachgedacht? Fallen dir weitere Beispiele ein, die du „hinterfragenswert“ findest? Schreib’s in die Kommentare.

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